Was muss ich beachten?

Früher waren sie in fast jedem Garten und an vielen Hausfassaden zu finden: kleine Bäume und Sträucher, die an den Wänden oder Zäunen gezogen wurden und für schmackhafte Früchte sorgten, das sogenannte Spalierobst. Leider ist diese Form des Obstanbaus in den letzten Jahrzehnten nahezu in Vergessenheit geraten. Dabei bietet Spalierobst eine wunderbare Möglichkeit, auf kleinstem Raum eigene Ernten von Äpfeln, Birnen, Kirschen, Himbeeren oder Pfirsichen einfahren zu können. Während ein Obstbaum viel Platz im Garten beansprucht, kann Spalierobst, das auch Säulenobst genannt wird, sogar auf Balkons in Töpfen gezogen werden. Grundlage ist ein Gerüst aus Holz, Metall oder Bambus, das Stamm und Zweige des Baums abstützt. Dabei werden die jungen, noch biegsamen Triebe des Baums so an dem Gerüst befestigt, dass sie im Laufe der Zeit die gewünschte Form erreichen. Es gibt unterschiedliche Formen, in denen die Pflanze gezogen wird, wie zum Beispiel die Säulenform, die U-Form, die Doppel-U-Form oder die V-Form. Inzwischen geht der Trend allerdings in Richtung der naturnahen Fächerform, die den Pflegeaufwand etwas erleichtert. An Hauswänden kann man außer Stützhilfen auch im Handel erhältliche Seilsysteme verwenden. Wichtig ist, dass der Abstand zwischen den einzelnen Befestigungspunkten weder zu weit noch zu dicht ist. Idealerweise beträgt er ca. 40 cm. Bei der Beschaffung des Gerüsts ist darauf zu achten, dass es so stabil ist, dass es auch die Belastung durch schwere, mit viel Obst behangene Zweige aushält.

Spalierobstbäume kauft man am besten in der Baumschule. Dort wird darauf geachtet, dass die Veredlungsunterlage des Baums nur schwach wachsend ist, damit der Baum auch an höheren Gerüsten gezogen werden kann und große Früchte hervorbringt. Die Seitenäste müssen paarig vom Hauptstamm abzweigen, wenn der Baum später eine schöne Form erreichen soll. Bei der Wahl der Sorte ist die Frage des zukünftigen Standorts wichtig. Während Äpfel und Birnen auch eine direkte Sonnenbestrahlung an einer Südwand gut vertragen, sollte man zum Beispiel für Mirabellen einen Ort wählen, der mehr im Halbschatten liegt. Gerade an Südwänden kann man Früchte ziehen, die normalerweise klimabedingt nicht überall wachsen, wie sonst in südlichen Regionen beheimatete Zitronen oder in nördlichen Regionen Weintrauben. Am besten lässt man sich in der Baumschule beraten, welches Obst sich für welchen Standort eignet.

Der Anbau von Spalierobst ist zeitaufwändiger als der von freiwachsenden Bäumen und bedarf besonderer Pflege. Die Pflanzen müssen regelmäßig gegossen und die neuen Triebe in Form gebracht und befestigt werden, überzählige Triebe sind laufend zu entfernen. Experten raten zu einem jährlichen Sommerschnitt, der die Blütenbildung angeregt. Da die Bäume auf engem Raum gezogen werden, sind sie anfälliger für Krankheiten wie Birnenrost oder Mehltau. Eine regelmäßige Kontrolle und Entfernung von Krankheitsherden sowie eine auf die Pflanze abgestimmte Düngung sind unerlässlich, will man eine gute Ernte erzielen.

Spalierobst bietet neben der Ernte von eigenen Früchten und dem engen Platzbedarf auch noch andere Vorteile. An Hauswänden gezogen tragen die Spalierobstbäume gerade im Sommer zu einem besseren Raumklima bei, da sie einen Teil der Sonnenwärme auffangen. Auf Balkonen dienen sie als Schutz vor Wind und Sonne, während sie an Zäunen gleichzeitig einen guten Sichtschutz bieten.

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